
Sie fährt im erstaunlichen Paar-Minuten-Takt, die S-Bahn in einer Februarnacht, und wäre da nicht die erschütternde Tristesse der Bahnhöfe, könnte man sich, wenn sie da so als beleuchteter, halbverglaster Menschencontainer vor sich hin rattert, ganz gemütlich und geborgen in ihr fühlen, insbesondere weil genug Platz ist und gegenüber jemand versonnen in sein Smartphone starrt und vor sich hin lächelt, nein, strahlt, und weil alle anderen, noch nicht an die milderen Temperaturen gewöhnt, die Mützen tief in die Stirn gezogen und die Hände unter die Achseln gesteckt haben, als ob man nicht schon ahnen könnte, dass der Winter nun endgültig vorbei ist und der nächste Tag sogar eine Andeutung von Frühling bringen würde; aber das wissen sie natürlich noch nicht, wie sie da sitzen, erschöpft von einem langen Tag, und sich auf ihre Betten freuen und auf eine kleine Töle, die vielleicht zuhause wartet oder auf ein vorgewärmtes Bett, in dem schon jemand liegt, den sie lieben; und deshalb ist es eine friedliche, ja, beinahe gemütliche Fahrt in Richtung Süden, und man könnte glatt noch ein bisschen sitzen bleiben, einfach so, weil es manchmal schön ist, in Bewegung zu sein; aber trotzdem wäre da dann irgendwann wieder ein Bahnhof, dessen allumfassende Unwirtlichkeit das gerade Erlebte wieder konterkarierte, und deshalb kann man auch genauso gut da aussteigen, wo man nun einmal hingehört. Oder hinzugehören meint.